In der Stille – Gedanken zur Weihnachtszeit
Meine Schicht ist zu Ende.
Es ist still. Im unteren Flur ist das Licht schwach, die Zeit scheint langsamer zu werden. Ich gehe zu meinem Auto.
Meine Beine schmerzen, mein Rücken ist angespannt, meine Hände sind trocken und rissig. In meinem Kopf klingen die Eindrücke des Tages nach – all das, was ich im Verlauf des Tages erlebt habe. Gesichter, Worte, Situationen: alles ist gleichzeitig präsent, während ich nach Hause fahre. Um mich herum herrscht Stille, in mir jedoch bewegt sich nach jeder Schicht ein Roman von sechshundert Seiten voller Gefühle.
In der Zeit vor Weihnachten ist diese Stille eine andere.
Sie berührt mich tiefer und reicht bis ins Herz.
Wenn ich meinen Arbeitsplatz verlasse und wieder in die ”draussen Welt” eintrete, ist dort vieles anders.
Alles ist sofort, alles ist schnell , Alles ist instant. Was man hat , gilt als selbstverständlich. Was fehlt, wird nicht als Wunsch empfunden, sondern als Mangel. Wir wollen alles jetzt, sofort. Als wäre Dankbarkeit aus der Mode gekommen, als hätte sie an Bedeutung verloren. Leider ist dies oft die Realität .
Im Meierhöfli jedoch ist es anders.
Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner ist jeder Tag ein Geschenk.
Wenn sie am Morgen die Augen öffnen.
Wenn ein Familienmitglied zu Besuch kommt oder ein vertrautes Gesicht aus der Vergangenheit auftaucht.
Wenn sie unsere Hand ergreifen.
Wenn ihre Lieblingspflegeperson am Morgen das Zimmer betritt, oder wenn am Abend ihr Lieblingsessen serviert wird.
Während meine Gedanken weiter umherwandern,
komme ich zu Hause an. Ich bin dankbar. Für alles.
Die wichtigen Dinge im Leben sind keine Gegenstände.
Man kann sie nicht kaufen, sie tragen keinen Preis und lassen sich nicht ersetzen.
Dazu gehören Liebe, Frieden, Familie, Freundschaften, Gesundheit – und vieles mehr.
Gerade jetzt, da Weihnachten und das Jahresende näher rücken, sollten wir nicht vergessen, dankbar zu sein.
Dankbarkeit ist eines der stärksten Gefühle. Üben wir sie. Nehmen wir wahr, wie vieles wir als selbstverständlich hinnehmen.
Wenn wir in diesem Jahr mit Lichtern und Dekorationen festliche Stimmung in unser Zuhause bringen, dann kleiden wir auch unser Herz in ein Festgewand, das von Dankbarkeit gewebt ist. Dankbarkeit ist der Weg zu dir selbst.
Ihr seid wunderbare Menschen, jede und jeder Einzelne von euch.
Danke, dass wir gemeinsam arbeiten dürfen.
Mit diesen Gedanken wünsche ich euch allen eine gesegnete, friedliche und besinnliche Weihnachtszeit sowie ruhige und erholsame Festtage im Kreise eurer Liebsten.
Zsuzsa
(Pflegemitarbeiterin im Meierhöfli)